Moderne Mundpropaganda – kurz: “eWOM”

Die Spezies des “mobilen Internetnutzer”

“Mobile Internetnutzer” sind schon eine interessante Spezies, deren Verhalten in der freien Wildbahn gern untersucht wird. So freut es mich, dass mir Andreas Müller seine Bachelorarbeit mit einer qualitativen Betrachtung zum “mobilen Rezensionsverhalten” dieser Gruppe zur Verfügung gestellt hat. Ich habe im Vorfeld auch gern mit einem Interview dazu beigetragen. ;)

Moderne Mundpropaganda

Megaphone by Adamantios via Wikimedia Commons

Wenn ein mobiler Nutzer von seinen Erlebnissen mit Unternehmen berichtet, hab ich dass bislang einfach “moderne Mundpropaganda” genannt. Wissenschaftlich wir dies aber als “elektronisches Word of Mouth – eWOM” bezeichnet. Das Thema hat verständlicherweise in den letzten Jahren ein wachsendes Interesse erfahren.

Interessanterweise haben bisherige Studien lt. Andreas mobil erstellte Bewertungen kaum gesondert ausgewertet. Er unterscheidet daher in seiner Arbeit zwischen “mWOM” – für mobil erstellte Rezensionen – und “pcWOM” – für Rezensionen die am PC geschrieben wurden (sorry Mac). Aber Achtung – für “mWOM” gibt es mit “Microblogging WOM” auch eine zweite Definition der Abkürzung.

Mit klassischer Mundpropaganda hat das heute nur noch wenig zu tun:

  • Über vernetzte Internetdienste erreiche ich einen größeren Teil meines “Freundeskreis” als beim direkten Weitersagen. Jeder Nutzer hatte Ende 2011 lt. horizonte.net im Schnitt ca. 130 (lt. Facebook) bis ca. 250 (lt. Western Union) “Freunde”.
  • Darüber hinaus teilen Rezensenten ihre Erlebnisse auf Bewertungsportalen auch langfristig und mit Unbekannten.

Eine echte Chance für Unternehmer mit zufriedenen & glücklichen Kunden ;)

Mobile Rezensionen sind meist authentischer

Mobile Rezensionen haben eine ganz andere Qualität als jene, die daheim am PC verfasst werden. Der Kunde ist emotional noch viel stärker mit dem gerade Erlebten verbunden. Im Vergleich zu einer späteren Bewertung fallen gute Bewertungen überschwänglicher – Kritiken ggf. aber auch brutaler aus.

Dazu trägt auch der eingeschränkte Komfort beim Schreiben auf dem SmartPhone bei. Lt. Andreas’ Untersuchung bewerten Nutzer primär “besonders schöne oder besonders schreckliche Erfahrungen” – über Mittelmaß wird nachvollziehbar deutlich weniger geschrieben.

Empfehlungen an Unternehmer in Bezug auf moderne Mundpropaganda

Zuletzt gibt Andreas noch Empfehlungen an die Anbieter von Dienstleistungen in Bezug auf mWOM – von mir frei umformuliert und ergänzt:

  • Nutzen Sie aktiv verschiedene Webdienste als Quelle für Feedback Ihrer Kunden. Diese nehmen sich Zeit um Ihnen ggf. wertvolle Ideen für Verbesserungen zu geben (wir schreiben in einem weiteren Beitrag darüber, welche Dienste wir empfehlen).
  • Nehmen Sie die Kritik unzufriedener Kunden ernst und reagieren Sie darauf. Sie zeigen damit, dass Sie sich dem Problem annehmen. Kunden wertschätzen dies und geben Ihnen dann wahrscheinlich auch eine zweite Chance.
  • Sprechen Sie zufriedene Kunden direkt an. Bitten Sie freundlich darum, Ihre Erfahrung auch elektronisch weiterzugeben.
  • Machen Sie es Ihren Kunden einfach, am Besten gleich eine gute Empfehlung abzugeben. Andreas’ Tipp: stellen Sie Ihren Kunden ggf. sogar ein kostenloses WLAN für die Bewertung zur Verfügung. Manche Unternehmer verleihen ihren Kunden zum Schreiben gleich vor Ort wohl auch schon mal ein iPad.

Ich danke Andreas für die Bereitstellung seine Bachelor-Arbeit und bin gespannt auf weitere Erkenntnisse aus der Welt der “mobilen Internetnutzer”. Eine gute Chance dieses und weitere mobile Themen zu diskutieren, ist übrigens auch dieses Jahr das MobileCamp Dresden.

Marcus Reisiger von seedyaa im Interview – Kreative Produkte für individuelle Läden

Die seedyaa Idee

Während wir an einer intelligenten Kommunikationslösung für Inhaber kleinerer Unternehmen arbeiten, bietet seedyaa eine sehr interessante Speziallösung. Seedyaa ist ein online Marktplatz der Designer, Bastler und Handwerker mit lokalen Geschäften und Boutiquen zusammenbringt. Das wird übrigens sehr gut in diesen Video erklärt:

Das schöne daran: das Konzept hat Vorteile für beide Seiten – Produzenten und Händler. Natürlich gibt es speziell für kreative Produzenten auch Plattformen für den Online-Handel. Allerdings wird darüber nur ein Teil der möglichen Zielgruppe erreicht.

Große e-Commerce Unternehmen haben das mittlerweile auch erkannt und setzen zunehmend auf eine hybride Strategie aus Online Vertrieb und Filialgeschäft. Gerüchteweise plant selbst Branchenprimus Amazon – zumindest als Test – einen eigenen Laden zu öffnen (Quelle: goodereader).

seedyaa ist übrigens auch ein sehr schönes Beispiel für den online to offline commerce Ansatz. Online werden die notwendigen Backoffice Prozesse abgewickelt. Das eigentliche Geschäft mit dem Kunden findet dann im “echten” Leben statt.

Vorteile für beide Seiten – Produzent und Händler

Seedyaa - Gute Geschäfte in jeder Stadt.Via seedyaa können die Produzenten Ihre individuellen Produkte und Kleinserien nun auch über bereits etablierte Läden an Kunden verkaufen. Gerade bei neuen Marken und Produktideen ist die persönliche Beratung vor Ort ein deutlicher Vorteil.

Sehr praktisch ist auch die einfache Abwicklung “der letzten Meile” zum Kunden. Produkte werden bei seedyaa in Stückzahlen an den Händler versendet, während sich beim Onlinehandel die Logistik immer auf den einzelnen Kunden allein bezieht. Da das Produkt vor Ort vorrätig ist, kann es der Interessent auch direkt für sich bewerten. Damit sind deutlich niedrigere Rückabwicklungen als beim Online und Versandhandel zu erwarten.

Vor einiger Zeit schrieb ich über die Krämerei Meißen. Mich hatte die unglaubliche Auswahl begeistert. Tja und wo kommen heutzutage selbstgemachte Produkte her? seedyaa wird das Zusammenfinden beider Gruppen und die Abwicklung der Geschäfte stark vereinfachen. Gerade für kleine Unternehmen wird es in Zukunft immer wichtiger, sich mit einzigartigen Angebote zu präsentieren. Vielfältigkeit lockt Kunden eher in den Laden als Einheitsware. Das war auch ein Fazit aus unserer Diskussion zum LocalCommerce auf dem Barcamp München.

Der Vertrieb kreativer Produkte ist nicht allein auf den Handel beschränkt. Auch Dienstleister ergänzen immer häufiger ihr Angebot durch passende Waren. So verkauft z.B. der Friseursalon auf meiner Straße seit längerer Zeit auch Damenhandtaschen aus einer Kleinserie. Ein anderes Beispiel sind Bistros und Cafés, die gern auch Kunststücke ausstellen und verkaufen.

Marcus Reisiger im Interview

Vor Ort in Hamburg habe ich Marcus noch ein paar Fragen für unser Video Interview gestellt. Wollt Ihr zum Beispiel wissen, was der eigentlich der Name seedyaa bedeutet? Schaut selbst.

“Seedyaa – Gute Geschäfte in jeder Stadt.” - finden wir Klasse! Seid Ihr selbst Produzenten oder habt einen eigenen Laden? Wie findet Ihr die Idee?

Welche kreativen Produkte und individuelle Läden liebt ihr?